"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." Mancher kennt vermutlich dieses Sprichwort. Es suggeriert uns, dass im Zweifel die Anderen Schuld haben, wenn es im Zusammenleben nicht klappt: im Betrieb, in der Nachbarschaft, in der Familie oder auch in der Gemeinde. Manche von uns beginnen das neue Jahr mit guten Vorsätzen. Wie wäre es mit diesem: "Ich möchte mit den Menschen, die mir in meinem Leben wichtig sind, im Guten zusammenleben"? Vielleicht können wir unser Vorhaben sogar ausweiten: "Es ist mir wichtig, mit allen Menschen, die mir in diesem Jahr begegnen, im Reinen zu sein. Dafür möchte ich alles tun, was in meiner Möglichkeit liegt." Die Jahreslosung für 2019 ist auch so ein Appell an uns, neue Wege im Zusammenleben der Menschen zu wagen. Nicht: "Wie du mir, so ich dir" oder "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Die Jahreslosung ist ein Satz aus Psalm 34, Vers 15. In der Luther-Übersetzung heißt er "Suche Frieden und jage ihm nach". Die Übersetzung "Neues Leben" drückt das so aus: "Bemüht euch, mit anderen in Frieden zu leben". Wir haben in unserem Haus die Erfahrung gemacht: Wenn wir unseren Nachbarn freundlich begegnen, sie im Aufzug mit einem fröhlichen "Guten Tag" begrüßen, können auch die Mürrischen und "Mundfaulen" irgendwann unsere Freundlichkeit nicht mehr ignorieren. Das ist dann manchmal ein erster Schritt zu guter Nachbarschaft. Ich denke, es gibt viele Gelegenheiten, die Welt um uns herum freundlicher, friedlicher zu machen. Wir müssen nur den ersten Schritt gehen. Die Jahreslosung entstammt einem Psalm, der König David zugeschrieben wird. Der Psalm beginnt mit einem Dank an Gott und beschreibt Gottes Nähe in unserem Leben. Darum können wir nicht anders, als unseren Mitmenschen gegenüber freundlich und großzügig zu sein.

Ich wünsche Ihnen in diesem Jahr die Erfahrung, dass es sich lohnt, auch auf die Kollegin, den Nachbarn oder das Familienmitglied zuzugehen, mit dem wir Schwierigkeiten haben.

Ihr Johannes Maywald