Jahreslosung 2018

Kennen Sie das auch? Nach einem für Sie unerfreulichen Gespräch, stellen Sie sich vor, wie es auch anders hätte verlaufen können. Leider erst hinterher fallen Ihnen viele mögliche Sätze ein, die Sie hätten sagen können, aber nicht gesagt haben. Zu spät. Sie können die Zeit nicht zurückdrehen.
Vieles in unserem Leben verläuft nicht so, wie wir es uns gedacht und gewünscht haben. Oftmals stehen wir uns und unseren Träumen auch selbst im Weg. "Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein könnte." brachte es der Philosoph Sören Kierkegaard auf den Punkt.
Manchmal könnte man an sich selbst und seinem Leben verzweifeln und resigniert den Kopf hängen lassen. Jesus ermutigt uns, genau das nicht zu tun. Er verweist uns auf die Barmherzigkeit unseres himmlischen Vaters, die größer ist als alles, was uns runterziehen möchte. Seine Liebe ist größer als all unsre Unzulänglichkeit. "Gib dich nicht auf!" ruft Jesus uns zu. "Denn Gott gibt dich auch nicht auf. Niemals!" Wir können zu ihm kommen mit allem, was uns bewegt. Jederzeit und an jedem Ort.
Im Psalm 38,10 lesen wir von einem gläubigen Menschen, der genau das tut. Er betet: "All mein Sehnen, Herr, liegt offen vor dir, mein Seufzen ist dir nicht verborgen."
Gott kennt all unsre Sehnsüchte und Enttäuschungen. Und er verlangt von uns nicht, dass wir zum "Realo" werden und unsere Träume beerdigen.
Vielmehr begegnet er uns in unserer Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Der Kirchenvater Augustinus war davon überzeugt, dass in all unserem Sehnen letztlich die Sehnsucht nach dem Vollkommenen, nach Gott, zum Ausdruck kommt. Eine Sehnsucht, die über dieses Leben hinausreicht.
So ist unsere Sehnsucht einerseits ein ehrliches Eingeständnis, dass ich, so wie ich bin, noch nicht am Ziel bin, dass die Welt noch in Entwicklung ist, dass das Eigentliche noch bevorsteht. Und andererseits ist sie eine Triebfeder, die uns lebendig erhält, in Bewegung bringt und uns hilft, unsere eigenen Grenzen zu überwinden.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Nico Vajen